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3-fach Kindergarten Kreuzfeld, Langenthal

Offener Projektwettbewerb: 2021
Veranstalterin: Stadt Langenthal

Architektur:
Landschaftsarchitektur:
Statik:
Bauphysik:

Franca Riva
Luzius Saurer
WAM Ingenieure AG
Weber Bauphysik AG

Platzierung: 1. Rang

Ende 2023 hat die Stimmbevölkerung der Stadt Langenthal die Baukredite für alle drei geplanten Kindergartenprojekte abgelehnt. Somit wurde auch dieses Projekt nach der Planungsphase eingestellt.

 

FRÜHLING – SOMMER – HERBST – WINTER

Der Kindergarten steht für ein Kind am Übergang von einer sehr familienbezogenen Welt zum Leben in einer grösseren Gemeinschaft in der Schule. Behutsame Übergänge und die Selbstständigkeit des Kindes stehen im Zentrum der Überlegungen zum Projekt Frühling – Sommer – Herbst – Winter.

Wie wir es von vielen Pavillonkindergärten kennen, bildet jede Klasse eine Einheit, die sich in der Architektur zeigt. Hier sind die Einheiten aneinandergereiht und bilden einen kompakten Baukörper, der den Pausenplatz der Primarschule abschliesst. Die Eingänge sind nach Süden orientiert und durch den langen Baukörper entsteht eine Spielstrasse, wo jede Klasse ähnlich einem Reihenhäuschen ihr Daheim hat mit einem privatem Eingangsbereich.

Ein Gartenpavillon mit den gemeinsamen Bereichen DAZ, Küche und Lehrerzimmer bildet das Vis-à-vis zum Klassentrakt. Das kleine Gebäude vermittelt den Übergang von den grossen Schulgebäuden zu den Einfamilienhäusern an der Bleichestrasse. Ein grosszügiger gedeckter Aussenraum stellt die Verbindung zum grossen Garten her, einem wilden Grünraum mit viel Bäumen und Unterholz.

Die konsequente Einstöckigkeit der Anlage, die klare Anordnung der Einheiten und die Ablesbarkeit der Volumen ermöglicht den Kindern eine einfache Aneignung ihres Kindergartens.

Ausgangslage

Die Stadt Langenthal führt einen offenen Projektwettbewerb für den Neubau eines dreifachen Kindergartens auf dem Areal des Schulzentrums Kreuzfeld durch. Bereits mitgeplant werden soll die spätere Erweiterung um eine vierte Einheit. Die zur Verfügung stehende L-förmige Parzelle liegt im Süden der Schulanlage am Übergang zu einem Wohnquartier. Ein Verbindungsweg von der Bleichestrasse im Süden zum Pausenpatz der Primarschule ist ebenfalls Teil des Programms.

Erschliessung und Nutzung

Das Projekt Frühling – Sommer – Herbst – Winter markiert den Eingang zum Schulareal und dessen öffentlichen Charakter an der Bleichestrasse mit einem kleinen Plätzchen. Von hier führt der Verbindungsweg zum Schulhausplatz. Damit die Kindergartenkinder nicht von den Grossen überrannt werden, können sie schon von diesem Plätzchen und durch den Garten zu ihrem Eingang gelangen. Die Eingänge erreichen sie über die Spielstrasse. Hier können sie warten und spielen bis der Unterricht beginnt.

Klassen

Als Übergang von der Spielstrasse in die Garderobe hat jede Klasse einen eigenen, gedeckten Eingangsbereich. Indem jede Klasse eine eigene Garderobe hat, kann diese auch für spezifische Aktivitäten im Unterricht benutzt werden. Eine mobile Malwand kann in der Mitte des Raumes aufgestellt werden. Das Klassenzimmer blickt sowohl nach Süden auf die Spielstrasse, als auch nach Norden unter die Kastanien. Es verfügt im hohen Bereich im nördlichen Teil zusätzlich über vertikale Oberlichter nach Osten. Die Übergänge zwischen Klassenzimmer und Garderobe sowie zwischen Garderobe und Gruppenraum können mit grossen Schiebetüren abgeschlossen werden, oder sie bleiben ganz offen, je nach Aktivität. Jede Einheit verfügt über viele Einbauschränke und einen individuellen Materialraum. Ein gemeinsamer Lagerraum ist am Ende des Klassentrakts untergebracht. Die einzelnen Einheiten können über die Gruppenräume verbunden werden. So können zwei Klassen gemeinsame Aktivitäten anbieten. Diese Verbindungen dienen auch den Reinigungskräften und dem Verschieben von Material.

Spielstrasse

Die Spielstrasse ist das Herzstück des Kindergartens. Sie ist Ankunfts- und Abschiedsort, aber auch Spielbereich während des Unterrichts. Hier können die Kinder mit Fahrzeugen fahren, mit Strassenkreide auf den Boden malen, auf Bäume und Steine klettern oder sich in der Höhle beim Geräteraum verstecken und die anderen beobachten. Bäume, Sträucher und Stauden bringen Natur in die Strasse und lassen die Jahreszeiten erleben. Der Boden ist befestigt, so dass hier auch bei nassem Wetter gespielt werden kann.

Gartenpavillon

Gegenüber dem Klassentrakt befinden sich im Gartenpavillon die gemeinsamen Nutzungen. Das DAZ-Zimmer und die Küche sind durch eine Faltwand getrennt und können zu einem grossen Raum verbunden werden. Die Nähe der Küche zum Arbeitsraum für Lehrpersonen ermöglicht zusätzliche Synergien, etwa indem die Küche als Besprechungszimmer dient.

Der grosse, gedeckte Aussenraum ist das Verbindungsglied zwischen Spielstrasse und Garten. Hier können bei schlechtem oder sehr heissem Wetter viele Aktivitäten auch gruppenübergreifend stattfinden. Als separates Gebäude kann der Gartenpavillon auch über schulische Funktionen hinaus eine Bereicherung für das Quartier sein, beispielsweise wären hier Betreuungsangebote während den Ferien denkbar.

Garten

Der ganze südliche Teil der Parzelle ist für den Garten reserviert. Die Klassen können sich hier einzeln oder gemeinsam austoben in der Wildnis. Unterholz mit Haseln und Weiden bieten lauschige Geheimplätze, ein Hügel mit Rutschbahn ist Aussichtspunkt und immer sehr beliebt bei Kindern. Hecken bieten Insekten und Kleintieren einen Lebensraum. Der grosse Rasenplatz und der Kiesplatz mit Sandanlage vervollständigen das Angebot. Dieser wilde und eher dicht bewachsene Garten bietet auch eine Ergänzung zu den vielen offenen Spielflächen der Schulanlage und ist ausserhalb des Unterrichts eine Bereicherung für das Quartier.

Statik und Brandschutz

Das Tragwerk ist ab der Bodenplatte in Holzbauweise konzipiert. Die Decken bestehen aus Balkenlage in Brettschichtholz mit einer Dreischichtplatte als Dachschalung. Die Aussenwände sind aus Holzelementen vorfabriziert, während die Innenwände aus tragenden Holzstützen bestehen, welche zum Teil mit Lehmsteinen ausgefacht werden. Einzig die Mittelwand zwischen Klassenzimmer und Garderoben sowie Klassenzimmer und Gruppenraum besteht nicht aus Lehmsteinen, da sich hier alle Türen und Einbauschränke befinden.

Die Stabilisierung für Wind- und Erdbebenkräfte erfolgt in der Dachebene über die Scheibenwirkung der Dreischichtplatten. Über die Lehmausfachungen und über Streben in den Aussenwänden werden die Horizontalkräfte in die Fundation eingeleitet.

Mit der einfachen und streng repetitiven Holzkonstruktion wird ein hohes Mass an Vorfertigung und damit eine wirtschaftliche und rationelle Bauweise ermöglicht. Da es sich um ein eingeschossiges Gebäude handelt, gibt es keine Brandschutzanforderungen an das Tragwerk.

Materialisierung und Konstruktion

Die Struktur des Gebäudes bleibt von innen erkennbar, Wände und Decken werden von den Pfosten und Balken sowie von den Friesen rhythmisiert. Holz und Lehm bleiben als primäre Materialien sichtbar. Die Einbauschränke werden farbig gestrichen und sind magnetisch. Die Füllungen der Aussenwände sowie die Deckenuntersicht werden weiss verputzt beziehungsweise gestrichen für ein optimales Reflektieren des Lichtes.

Von Aussen erscheint das Gebäude als Holzbau. Die Holzschalung mit Deckleisten ist hellgrau lasierend gestrichen. Die Deckleisten sind seitlich hellrot gestrichen, so dass ein hübsches Farbenspiel entsteht, je nachdem in welchem Winkel man zum Gebäude steht. Auch die Fenster- und Türleibungen sind rot gestrichen. Die überdeckten Aussenbereiche sind ohne Deckleisten ausgeführt, so kann man gemütlich anlehnen.

Flexibilität und Erweiterbarkeit

Für die vierte Einheit, die in zehn Jahren hinzukommt, kann der Lagerraum der ersten Etappe mit wenigen Anpassungen zu einer gleichartigen Einheit umfunktioniert werden. Die Öffnungen sind schon vorbereitet und es müssen nur noch die Fenster montiert, die Ausfachungen und der Innenausbau gemacht werden. Der neue Lagerraum wird dann wiederum westseitig angebaut. Der Aussenraum ist so gestaltet, dass die Flächen für die 2. Etappe bereits in der 1. Etappe enthalten sind, so dass der ganze Aussenraum während der Bauphase benutzbar ist.